Der Kampf um das Internet – Herausforderungen für den Traum von einem „Offenen Internet“

In einer siebenteiligen Serie hat sich die englische Zeitung „The Guardian“ mit den zukünftigen Entwicklungen des Internets  beschäftigt und alle einschlägige Themen in zum Teil martialischem Stil ihren Lesern präsentiert: Geistiges Eigentum, Datenschutz, Soziale Medien, Privatsphäre und Big Data sind die vorgestellten „Kriegsthemen“.

Wie sich das Internet in den nächsten Jahren entwickeln wird, lässt sich aus folgenden sieben Trends, besser Fronten in den Auseinandersetzungen ableiten:

  1. Der neue „kalte Krieg“: Während die direkten militärischen Konfrontationen der Weltmächte für die Durchsetzung der eigenen Ideologie massiv abgenommen haben, beobachten wir seit Jahren einen fortschreitenden Ausbau der Zensur im Netz, um den eigenen Staat und seine Bürger deutlich vom „Klassenfeind“ abzugrenzen: Als Beispiele mögen China und Russland in ihrem Umgang mit Google und Facebook dienen, aber selbst im amerikanischen Wahlkampf wird über die verschiedenen Plattform in geradezu grotesker Weise Wählermanipulation betrieben.
  2. Militarisierung des Cyberspace: Was vor einigen Jahren noch Science Fiction war, ist mittlerweile Realität geworden – dabei geht es  nicht nur um die Aktivitäten einzelner Hackergruppen wie Anonymous, sondern um höchst wahrscheinlich staatlich betriebene Präventivangriffe (Beispiel: Stux-Virus auf vermeintliche Bedrohungen durch andere Länder.
  3. Fragmentierung des Web durch Insellösungen: Die “smartphone generation“ ist gerade dabei das Web nur noch via Facebook, Apple oder Amazon wahrzunehmen. Das massive Voranschreiten der sog. Apps verstärkt eine Entwicklung, die diametral den Ideen z.B. eines Tim Berners-Lee entgegensteht, der das Internet als eine offene Plattform konzipiert hatte. Die verursachende Ökonomisierung des Web scheint hier unaufhaltsam zu sein.
  4. Kriege um das geistige Eigentum: Das Sopa anti-piracy-Vorhaben in den USA, ACTA im internationalen Kontext, aber auch das Aufkommen der Piraten-Partei in Deutschland sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was wir in den nächsten Jahren zu erwarten haben.
  5. Die Zivilisierung des Internets: Auch wenn das Web von vielen als rechtsfreier Raum wahrgenommen wird und eine strafrechtliche Verfolgung sich bei Mobbing, Beleidigung oder pornografischen Inhalten im Netz als äußerst schwierig gestaltet, sind Initiativen auf nationaler und internationaler Ebene auf den Weg gebracht, die möglicherweise geeignet erscheinen, das Web zu „zähmen“.
  6. Offener Widerstand: Der Kampf um das geistige Eigentum und die Bemühungen um die Zivilisierung des Web („power struggle between hacktivism and officialdom“) haben aber auch zahlreiche Gegner dieser Tendenzen hervorgerufen, die das Internet auch in der Zukunft „offen“ halten wollen: als Stichwort möge hier WikiLeaks genügen.
  7. Das Ende der Privatsphäre: Facebook, Google und Co. wissen über uns mehr als alle Geheimdienste dieser Welt zusammen, vom Nicht-Wissen von Verwandten und Freunde über uns im privaten Bereich ganz zu schweigen. Die Folgen für die gesamte Menschheit sind zur Zeit unabsehbar.

 

Die Folgen der sieben aufgeführten Kämpfe, die bereits seit geraumer Zeit zwischen den einzelnen Unternehmen, nationalen Regierungen und Volkswirtschaften, Aktivistengruppen und internationalen NGOs ausgefochten werden, dürften aller Voraussicht nach darüber entscheiden, wie das Internet in den nächsten 5-10 Jahren aussehen wird.

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