Inhalte aus Blogs, Twitter, YouTube + Co. (meist via RSS-Feeds bezogen), also aus dem Social Web, ist für den Wissenschaftsbetrieb erst in der jüngsten Vergangenheit als Quelle für wissenschaftliches Arbeiten virulent geworden. In der Medienbranche hingegen stellt sich die Verifikation von im Web zugänglichem oder an die Redaktionen lanciertem Material schon seit Jahren viel dringlicher.
Ob die aktuellen Kämpfe in Syrien, die Tötung von Osama bin Laden oder der Absturz einer Passagiermaschine in den Anden Südamerikas: Immer mehr gelangen Bilder oder Videos von (vermeintlichen) Augenzeugen meist als erste Informationen noch vor den traditionellen Kanälen der Nachrichtenagenturen an eine breite Öffentlichkeit. Von daher sieht sich die Medienbranche (egal ob aus dem Printbereich oder den Radio- und Fernsehanstalten) zunehmend damit konfrontiert, diese verfügbaren digitalen Inhalte ganz besonders auf ihre Verlässlichkeit hin zu überprüfen.
Der Schweizer Journalist Konrad Weber hat sich in einer dreiteiligen Serie nicht nur mit eher theoriebasierten Tipps zur Verifikation von Social Web Inhalten befasst, er gibt zudem einen Überblick über die Praktiken in den Newsrooms der großen Medienhäuser in Deutschland und international.
Bei BBC, CNN oder der Newsagentur Storyful zum Beispiel gehen Verifkationsteams (mit 10-30 Mitarbeitern!) den täglich zugesandten, tausenden von Hinweisen auf der Basis einer klar formulierten Checkliste nach, z.B. müssen unter anderem Fragen abgeklärt werden wie:
- Wo und wann wurde das Material hochgeladen?
- Zusammenhänge für Motive, weshalb und wo die Quelle das Material hochgeladen hat
- Stimmt das Wetter auf den Aufnahmen mit den für diese Tage gemeldeten Aussichten überein?
- Geben Titel oder die Beschreibung des Videos nähere Angaben auf den Ursprung der Aufnahmen?
Die deutschen Fernsehanstalten hingegen stehen hier noch ziemlich am Anfang: Während die ARD zumindest eine detaillierte Verfikationscheckliste den Journalisten als Grundlage vorschreibt, arbeitet das ZDF über den Weg geschlossener Facebook-Gruppen oder mit gezieltem Crowd-Sourcing.
Mit vergleichbar geringerem Detektivsinn sind auch im wissenschaftlichen Arbeiten im Web gefundene und für die eigene Arbeit vermeintlich äußerst relevante Inhalte zu betrachten und ggf. zu überprüfen:
- Autor/Quelle: Sind die Autoren zu erkennen oder bleiben sie anonym? Wer sind die Autoren, aus welchem Bereich kommen sie? Von wem ist die Seite veröffentlicht?
- Inhalt: Was beinhaltet die Seite und woher stammt der Inhalt? Lassen sich die Aussagen verifizieren? Wie genau sind die Angaben und wie objektiv ist die Darstellung? Wie breit ist das Spektrum der Inhalte, was wird weggelassen?
- Aktualität: Wann wurde die Seite erstellt? Wann wurde sie zuletzt inhaltlich überarbeitet; ist das überhaupt erkennbar? Welchen Stand haben die Informationen?
- Referenzen: Wohin führen die Links und wer verlinkt auf die Seite und mit welcher Intention?
Hilfestellungen zur Lösung gibt die Bibliothek nicht nur an der persönlichen Beratung durch ein ausgebildetes Team von Mitarbeitern in der FBB WiSo, sondern auch via Webauskunftsdienst „Fragen Sie Hamburger Bibliotheken“ oder über unseren (mobilen) Chat-Dienst, den Sie natürlich auch über unseren Facebook-Auftritt oder Ihrem Instant Messenger erreichen. Oder aber Sie kommen in unsere Lehrveranstaltung „Alles Google oder was? Informations- und Literaturrecherche im digitalen Zeitalter, die wieder im HT 2012 stattfinden wird.







