Trotz des Diktums des bekannten Fernsehmoderators und-journalisten GĂĽnther Jauch, dass er es eher mit der klassischen Bildung halte und sich nicht auf das Internet verlasse – auch sein Wikipedia-Eintrag sei inhaltlich nicht korrekt – ist die Popularität der freien Enzyklopädie auch im Wissenschaftsbetrieb weiterhin ungebrochen.
Nach dem die Zeitschrift Nature bereits im Jahre 2005 die Britannica mit der Wikipedia verglichen und die geringfügig höhere Fehlerhäufigkeit für wissenschaftliche Einträge bei der Wikipedia herausgearbeitet hatte, ist jetzt eine neue Pilotstudie von vier Wissenschaftlern der University of Oxford erschienen. Wo schneidet die Britannica besser ab?
- Weniger inhaltliche Wiederholungen
- Bessere Strukturierung
- Höheres Maß an Kohärenz
Die Jury sieht die Wikipedia hingegen im Vorteil bei:
- Genauigkeit
- Qualität der Nachweise
- Im Gesamturteil der Artikel (d.h. der „citability“)
- Aktualität
Kaum bzw. nur geringe Unterschiede stellen die Juroren fest (zumindest für die englischsprachige Wikipedia) für Kriterien wie Umfang, Vorurteilslosigkeit und Lesbarkeit der Inhalte. In den Durchschnittsnoten der Untersuchung lassen sich kaum Unterschiede für die Aspekte Qualität und Stil nachweisen. Das „Geschmäckle“ an dieser zunächst als „pilot study“ deklarierten Studie: Sie wurde zwar von EPIC als einer britischen E-Learningfirma in Zusammenarbeit mit der Universität von Oxford durchgeführt, aber von der Wikimedia Foundation finanziert. Das zusehends auch Wissenschaftler an der Wikipedia mitarbeiten, zeigt das Deutsche Archäologische Institut.
Auf die nicht von der Hand zuweisenden Kritik an bzw. der Nutzung der Wikipedia ist u.a. hier bereits in zwei anderen Blogbeiträgen eingegangen worden. Trotz aller vermeintlichen Defizite bei konventionellen und kollaborativ erstellten Online-Nachschlagewerken: Wir müssen den Umgang mit diesen Quellen lernen – wer sonst als wissenschaftliche Bibliotheken sind hier besser geeignet Informationskompetenz sachgerecht zu vermitteln? Schon die im Jahre 2001 erstellte Stefi-Studie weist gravierende Defizite von Studenten und Hochschullehrern bei der Informationskompetenz nach und fordert eindringlich das Engagement der Hochschulbibliotheken. Dieser Forderung haben sich bis in die jüngste Zeit hinein die einschlägigen Wissenschaftsorganisationen Deutschlands in allen Stellungnahmen und Positionspapieren angeschlossen, z.B. Wissenschaftsrat, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bibliothek & Information Deutschland, Gemeinsame Wissenschaftskonferenz des Bundes (KII).
Die Frage ist jedoch: Können die deutschen Hochschulbibliotheken dieser zentralen Forderung inhaltlich und didaktisch in angemessener Weise nachkommen? Die bisherigen Bemühungen lassen sich auf der Plattform IK Vermittlung von Informationskompetenz an deutschen Bibliotheken detailliert nachweisen.
Die Antwort der UB der HSU zur Vermittlung von Informationskompetenz gibt der fĂĽr ĂĽber 60 % der Studenten obligatorisch im Curriculum verankerte Kurs „Alles Google oder was…?”.







