Medientipp: Sabine Friedrichs Roman „Wer wir sind“ eine „Geschichtskitschikonenmalerei“?

Die Fiktionalisierung der NS-Zeit hat in den letzten Jahren Konjunktur: Jonathan Littell und Steve Sem-Sandberg haben das Grauen im Holocaustin spektakulärer Weise “erfunden” und da weitergemacht, wo die Historiker mit der Betrachtung der Vergangenheit in der Regel aufhören: „Warum Menschen ihr Leben aufs Spiel setzen, warum es für sie Wichtigeres gibt als das eigene Leben.“

Cover: dtv

Zu den spektakulärsten Neuerscheinungen im Herbst 2012 gehört zweifelsohne das voluminöse, 2032 Seiten (!)
starke Werk von Sabine Friedrich: Wer wir sind.
Aus der Verlagsanzeige: „»Ihr sollt nicht gestorben sein!«
So wie in ›Wer wir sind‹ sind sie uns noch nie begegnet, die Moltkes und die Stauffenberg-Brüder, die Bonhoeffers, Lebers und die Dohnanyis, die Schulze-Boyens, die Schumachers, Coppis und all die anderen, die sich – aus den unterschiedlichsten Gründen – entschlossen haben, Hitler und seinem menschenverachtenden Regime die Stirn zu bieten.
›Wer wir sind‹ – der Roman über den Deutschen Widerstand
Vom Kaiserreich bis in die Nachkriegszeit spannt sich der Bogen, von den Schlössern Ostelbiens zu den Seen Wisconsins, von Künstlerateliers und Kleingartensiedlungen zu den großbürgerlichen Villen des Berliner Westens, von Londoner Ministerien bis an die Ostfront und in den Schuppen von Plötzensee. Die Lebensgeschichten all dieser Menschen mit ihren vielfältigen freundschaftlichen, beruflichen oder verwandtschaftlichen Verbindungen treffen uns in ›Wer wir sind‹ mit einer unglaublichen Wucht. Die Erzählung ihrer Schicksale wirft Fragen auf, die universell und zeitlos sind.“

Während Gerhard Spörl im Spiegel im Ergebnis zu einer noch wohlwollenden kritischen Beurteilung des Romans gelangt, legt Thomas Medicus in seiner Rezension in der Literarischen Welt einen Totalverriss vor: „An die Stelle von Zeitzeugen, die Authentizität verbürgten, traten Schriftsteller, die mit Fakten und Fiktionen spielten. Solche Experimente können gelingen, aber auch gründlich schief gehen. Bei Schriftstellern ist es genau wie bei Ärzten oder Busfahrern, so wie es gute, schlechte oder mittelmäßige Ärzte und Busfahrer gibt, gibt es auch gute, schlechte oder mittelmäßige Schriftsteller. Sabine Friedrich kommt das Verdienst zu, diese Grobeinteilung um die Kategorie der Maßlosigkeit verfeinert zu haben. Allein 2027 Romanseiten hat sie über den deutschen Widerstand verfasst, hinzu kommen 286 Seiten eines Materialienbandes. […] Willkommen im Land der Geschichtskitschikonenmaler.“ Aber machen Sie doch selbst ein Bild (im Regal der Bibliothek der HSU ist der Roman unter der Signatur LIT FRD:YD0001
zu finden) – Sie müssen ja nicht die ganzen 2032 Seiten lesen.

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Eine Antwort auf Medientipp: Sabine Friedrichs Roman „Wer wir sind“ eine „Geschichtskitschikonenmalerei“?

  1. Rainer Düpow sagt:

    Der persönliche Eindruck zählt, ich halte es für empfehlenswert.

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