HSU goes Digital Humanities – Kickoff-Workshop „Politikwissenschaft und die Methoden der eHumanities“

Mit dem BMBF-Verbundprojekt „Postdemokratie und Neoliberalismus“ betritt der Lehrstuhl von Professor Dr. Gary S. Schaal aus der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften für das Fach Politikwissenschaft nicht nur in der HSU, sondern auch für ganz Deutschland absolutes Neuland. Aus der Projektbeschreibung: „Die zeitgenössischen liberalen Demokratien prägen seit einigen Jahren zwei zunächst scheinbar gegensätzliche Entwicklungstendenzen. So sich lässt einerseits eine Zunahme politischer Apathie beobachten, doch kommt es andererseits gleichzeitig zu verschärften Sozialprotesten und dem Aufstieg populistischer Parteien. In diesem Zusammenhang diagnostizieren Kritiker eine Zersetzung zentraler demokratischer Werte und Prozesse, die geeignet scheint, die Legitimität und Stabilität der politischen Systeme insgesamt zu unterminieren. In der Politischen Theorie werden diese Entwicklungen unter dem Stichwort „Postdemokratie“ intensiv diskutiert.
Das an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg angesiedelte Forschungsprojekt hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Diagnosen der Postdemokratiedebatte für die Bundesrepublik Deutschland erstmals umfassend empirisch zu analysieren. Hierzu greifen wir auf die zentrale These dieses Diskurses zurück, wonach der Prozess der Postdemokratisierung durch die zunehmende Bedeutung und Akzeptanz der Leitideen des Neoliberalismus in der politischen wie medialen Öffentlichkeit forciert und sichtbar wird.
Die empirische Analyse dieser These wird, in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Automatische Sprachverarbeitung an der Universität Leipzig, anhand von Zeitungsmaterial für den Zeitraum von 1949 bis 2011 durchgeführt. Das hierfür erforderliche computergestützte Forschungsdesign zur Aufarbeitung des umfangreichen Quellenmaterials wird neben etablierten qualitativen und quantitativen Methoden auch die Veränderungen politischer Argumentationsmuster in der medialen Öffentlichkeit identifizierbar machen. Durch die Kooperation von Politischer Theorie und Automatischer Sprachverarbeitung innerhalb eines empirischen Forschungsverbundes kann dieses durch das BMBF geförderte Projekt einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der computergestützten qualitativen Forschung und somit der Etablierung der eHumanities im deutschsprachigen Raum ebenso leisten, wie einen anspruchsvollen Beitrag zur normativen Politischen Theorie.“

Was aber ist eHumanities überhaupt? Die Begriffe “Digital Humanities” oder “e-Humanities” werden meist synonym verwendet. E-Humanities ist analog zu eScience gebildet und steht für “enhanced” oder auch “enabled” Humanities.  Inhaltlich umfassen die eHumanities geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsansätze, die sich innovativer Methoden aus der Informatik bedienen.

Und genau darum bemühen sich Forschungsfördereinrichtungen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder aber auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das das Schaal-Projekt fördert: „Bestandteile des Schwerpunkts sind die Verbesserung der informationellen Infrastruktur für die empirisch forschenden Sozialwissenschaften und die Förderung von “enhanced Humanities” Geisteswissenschaften. Besonders wichtig sind dabei eine Verknüpfung von Infrastrukturen für die Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften mit entsprechenden EU-Initiativen im European Strategic Forum on Research Infrastructures (ESFRI), die Einbettung in die nationale Roadmap zur Entwicklung innovativer Forschungsinfrastrukturen und tragfähige Finanzierungsregeln hinsichtlich der Investitions- und Betriebskosten. [..] Das BMBF  fördert die eHumanities in zwei Schwerpunkten:

  • Aufbau einer Forschungsinfrastruktur
  • Entwicklung innovativer Forschungsansätze auf der Basis dieser Infrastruktur.“

Am 15. Und 16. November nun veranstalten die beiden Projektnehmer, Professor Dr. Gerhard Heyer (Universität Leipzig) und Professor Dr. Gary S. Schaal, einen sog. Kickoff-Workshop mit dem Titel „Politikwissenschaft und die Methoden der e-Humanities“. Zentrales Anliegen ist es hier nicht nur den eigenen Projektforschungsansatz vorzustellen, sondern darüber hinaus die „Vernetzung sozialwissenschaftlicher Projekte, die sich der Methoden der eHumanities bedienen“ zu veranschaulichen. Dabei wird es auch „um die Steigerung der Akzeptanz elektronischer Analyseverfahren in den sozialwissenschaftlichen Teildisziplinen“ gehen.
Veranstaltungsort: Helmut-Schmidt-Universität, Thomas-Ellwein-Saal
Termin: 15.11. bis 16.11.2012

Quelle: cc.gatech.edu

Auf die Unterstützung der Bibliothek für dieses Projekt wird in einem früheren Blogbeitrag eingegangen.

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